Nisthilfen für Wildbienen und Solitärwespen

Ein großer Artenreichtum im Garten hilft, das ökologische Gleichgewicht zu bewahren und Kulturpflanzen gesund wachsen zu lassen. Wildbienen und die ebenfalls einzeln lebenden Solitärwespen sind ein wichtiger Bestandteil eines artenreichen Gartens. Wildbienen tragen durch ihre Bestäubungstätigkeit zum Ernteerfolg im Nutzgarten bei.
Die räuberisch lebenden solitären Wespen ernähren ihre Larven mit erbeuteten Tieren, darunter viele „Schädlinge“. Daher sollten Wildbienen und Solitärwespen im Garten gefördert werden, z.B. durch geeignete Nisthilfen.

Solitär lebende Bienen und Wespen sind ausgesprochen friedliche Tiere, weil sie kein Volk verteidigen müssen. So können Kinder absolut gefahrlos die Nisthilfen selbst aus nächster Nähe beobachten.

Lebensweise

Die meisten Bienen- und Wespenarten bilden keine Staaten, sondern leben einzeln („solitär“). Die Weibchen bauen Brutröhren in morschem Holz, alten Zaunpfählen, Pflanzenstängeln, Steinspalten, Sandgruben oder Wegen und versorgen ihre Brut ohne die Mithilfe ihrer Artgenossen. Als Nahrungsvorrat für die Larven werden Blütenstaub und Nektar (bei den Bienen) oder gelähmte Insekten und Raupen (bei den meisten Wespen) in die Brutkammern eingebracht. Die Brutkammern werden dann mit Lehm oder Harz verschlossen.

Da die Tiere kein Volk verteidigen müssen, verhalten sie sich ausgesprochen friedlich. In der Nähe der besiedelten Nisthilfen lassen sie sich absolut gefahrlos beobachten. Die Nisthilfen können also auch dazu beitragen, Kinder und Erwachsene für die Natur zu begeistern.

Nisthilfen aus Holz

In Scheiben oder Blöcke aus nicht harzendem Hartholz (Eichen-, Buchen-, Akazien oder Obstbaumholz) werden in unterschiedlichen Stärken und Tiefen Löcher vorgebohrt. Weichhölzer, wie z.B. Weide oder Fichte, sind absolut ungeeignet! Damit es nicht zu Rissbildungen kommt, muss das Holz trocken, also mehrere Jahre abgelagert sein.

Die Bohrungen sollten unterschiedliche Durchmesser von 2–10 mm aufweisen, die Gänge so tief wie möglich ins Holz reichen (max. 15 cm). Sie müssen in jedem Fall innen abgeschlossen sein, dürfen das Holz also nicht komplett durchbohren. Die Bohrungen werden außen geglättet, damit keine Splitter den Eingang behindern. Damit kein Wasser eindringen kann, wird leicht schräg nach oben gebohrt.

Wichtig: Nicht ins Hirnholz (mit sichtbaren Jahresringen), sondern ins Längsholz bohren. Im Hirnholz entstehen leicht Risse, und Feuchtigkeit kann leichter eindringen. Zwischen den Bohrgängen sollte jeweils ein Mindestabstand von 2 cm frei bleiben. Das Sägemehl muss immer komplett entfernt werden.

Als Nisthilfen für Wildbienen und -wespen eignen sich auch Bündel aus Bambusstäben, die Sie ganz einfach selbst herstellen können. Schneiden Sie hierzu 5–12 mm starke Stängel jeweils vor den Knoten und gleich lang ab.
Danach stellen Sie die abgeschnittenen Stängelteile in eine Blechdose, so, dass die Dose komplett mit den Stängeln ausgefüllt ist. Bohren Sie dann in den Boden der Dose ein Loch und ziehen ein Band von oben nach unten durch zum Aufhängen.
Sie können die Dose zur Dekoration aber auch noch mit einer Schnur umwickeln und die Dose dann an dieser Schnur aufhängen.

Niststeine

Gut geeignet sind die im Handel erhältlichen Niststeine („Hotel zur Wilden Biene“). Dabei werden Tonziegel vor dem Brennen mit Bohrungen versehen.

Nisthilfen aus Schilfrohr und Bambus

Bündel aus Schilfrohr oder Bambusstäben eignen sich ebenfalls als Nisthilfe. Ca. 5–12 mm starke Stängel oder Stäbe werden dabei jeweils vor den Knoten durchgeschnitten und gebündelt. Es empfiehlt sich, sie dann mit einer regendichten Umhüllung, z.B. einer Blechdose oder einem Holzkasten, zu versehen.

Nahrungspflanzen und Verzicht auf Gifte

Auch die Ritzen der Trockenmauern oder offene Sandflächen (z.B. auf Wegen im Garten) werden von manchen Arten als Nistplätze angenommen. Damit die Nisthilfen gut besiedelt werden, sollte es im Umfeld auch Nahrungsmöglichkeiten geben. Blütenreiche Lebensräume und Kleinstandorte, wie z.B. Wiesen, Blumenbeete und Wildkrautecken, tragen dazu bei. Um Bienen und Wespen nicht zu gefährden, sollte auf den Einsatz giftiger Chemikalien, wie z.B. Insekten- und Unkrautvernichtungsmittel, unbedingt verzichtet werden.

Text: Adalbert Niemeyer-Lüllwitz (NUA)
Bilder: Genenger-Hein, Schütt, Verlag W. Wächter, Niemeyer-Lüllwitz
Titelbild: Shutterstock.com/Christine Kuchem

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