Lebendige Mauern – Naturnahe Steingärten

Das Leben zwischen Steinen gehört seit alters her zum Bild unserer Dörfer und Städte. Bauernhöfe, Friedhöfe und Kirchen wurden von aus Bruchsteinen aufgeschichteten Trockenmauern umgeben. Die aufgeschichteten Steine bieten mit ihren Lückenräumen vielen Pflanzen und Tieren günstige Lebensbedingungen. In solchen naturnahen Steingärten leben Pflanzen, die sich durch besondere Anspruchslosigkeit auszeichnen.

Naturnahe Steingärten bestehen aus einem steinigen, wasserdurchlässigen, humus- und nährstoffarmen Boden. Es genügt nicht, für einen Steingarten einige Steine auf einem humusreichen Boden zu verteilen! Die anspruchslosen Pflanzen der Steingärten hätten hier keine Überlebenschance. Im Steingarten ist das Gestein ein Teil des Bodens, und die Pflanzengesellschaft entspricht diesem Boden.

Eine Trockenmauer ist auch die ökologisch wertvollere Alternative zum Gartenzaun. Sie bietet vielen Tieren und Pflanzen einen Lebensraum.

Praktische Möglichkeiten

Je nach Lage des Gartens und vorhandenem Material gibt es verschiedene Möglichkeiten, naturnahe Steingärten anzulegen. Ähnlich den alten Bruchsteinmauern an Kirchhöfen können Natursteine zu freistehenden Trockenmauern aufgeschichtet werden. Böschungen in abfallendem Gelände oder z.B. an einer Terrasse lassen sich durch ähnlich gebaute Stützmauern absichern.

Fehlt es an Platz oder Material, kann auch schon durch einen Steinhügel oder einen Haufen gesammelter Steine „Mauerleben“ in den Garten hineingebracht werden. Eine kostengünstige und ökologisch wertvolle Alternative zum Kauf von neuen Natursteinen ist die Verwendung alter Ziegel, z.B. aus einem Abbruch. Auch alte Gehwegplatten und Pflastersteine sind gut für Trockenmauern geeignet.

Tipps zum Bau von Trockenmauern

Bei der Aufschichtung von Trockenmauern lassen sich am besten von Natur aus plattenartigen Steine verwenden, die vom Baustoffhandel oder von Steinbruchunternehmen angeboten werden. Für Mauerfüllungen und Drainageschichten benötigt man zudem grobes und feines Gesteinsmaterial. Gut geeignet dafür sind Schotter und Kies sowie auch (müllfreier) Bauschutt. Insgesamt benötig man für eine 2 m lange und 1 m hohe Mauer für Schichtung und Füllung etwa eine Tonne Gesteinsmaterial.

In der ersten Bauphase einer Mauer wird der humose Mutterboden möglichst tief entfernt und durch ein Fundament aus einer mindestens 20 cm tiefen Kies- oder Schotterschicht ersetzt. In dieser Schicht kann später das Wasser leicht versickern. Zudem wird das Einwachsen von störenden Wurzelunkräutern unterbunden.

Mit Stützmauern lassen sich Böschungen naturnah absichern. Eine 10- bis 20-prozentige Neigung und das dränierende Lockergestein hinter den aufgeschichteten Steinen sorgen für eine hohe Stabilität.

Die Steine werden dann sorgfältig – ihrer Form entsprechend – trocken im Verbund möglichst stabil mit einer leichten Neigung von 10–20 % nach innen aufgeschichtet. Wackelige Steine werden am besten mit kleinen Steinen verkeilt. Mit geringen Mengen lehmiger Erde als Fugenfüller lassen sich Unebenheiten ausgleichen und Ansiedlungsmöglichkeiten für Mauerpflanzen schaffen.

Jede Steinlage wird zur Stabilisierung mit Bruchsteinen, Schotter, Kies oder einem Gemisch dieser Steine hinterfüttert. Diese Mischung eignet sich auch als Füllung für eine Stützmauer und dient gleichzeitig als Drainage. Für die übrige Hinterfüllung eignet sich am besten ein nährstoffarmes, humusfreies Substrat (z.B. Sand).

Der Immergrüne Mauerpfeffer (Sedum floriferum) ist sehr anspruchslos und kommt mit dem Standort Trockenmauer gut zurecht.

Bepflanzung

Im naturnahen Garten verfolgen wir das Ziel, durch die Anlage entsprechender Lebensräume bevorzugt heimische Pflanzenarten anzusiedeln. Welche Arten bei uns heimisch sind und sich für Trockenmauern und Steingärten eignen, zeigt die Tabelle. Verzichtet werden sollte auf eine massenhafte Anpflanzung der häufigen „Steingartenpflanzen“, die durch Wuchsstärke und Farbenpracht heimische Arten verdrängen. Gerade die Pflanzen der nährstoffarmen Standorte und damit die auf sie angewiesenen Tiere sind in der Natur selten geworden.

Tabelle: Pflanzenauswahl für Mauern und Steingärten
Text: Adalbert Niemeyer-Lüllwitz, NUA
Bilder: Niemeyer-Lüllwitz, Hellmann

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