Schmetterlinge – Gern gesehene Gäste im Garten

„Flügelt ein kleiner blauer Falter vom Wind geweht, ein perlmutterner Schauer, glitzert, flimmert, vergeht. So mit Augenblicks blinken, so im Vorüberwehn, sah ich das Glück mir winken, glitzern, flimmern, vergehn.“
(Hermann Hesse)

Bunte Schmetterlinge sind immer gern gesehene Gäste im Garten. In den Wiesen, Wäldern und Gärten werden sie allerdings immer seltener: Etwa ein Drittel aller europäischen Falter ist vom Aussterben bedroht.

Durch den Einsatz von Insektengiften und die Zerstörung der Lebensräume werden Schmetterlinge gefährdet. Überdüngte und daher blütenarme Wiesen bieten wenig Nektar. Auch übertrieben gepflegte Gärten mit den sattgrünen Rasenflächen und immergrünen Nadelgehölzen bieten keine Nahrungsgrundlage für Falter.

Das Tagpfauenauge (links die Raupe, rechts der ausgewachsene Falter) ernährt sich ausschließlich von Brennnesseln und findet daher in „aufgeräumten“ Gärten keine Nahrung.

Garten als Falterparadies

In ihrem Entwicklungszyklus vom Ei über die Raupe und Puppe zum Falter haben Schmetterlinge unterschiedliche Ansprüche an ihren Lebensraum. Im Raupenstadium ernähren sie sich oft von ganz bestimmten Futterpflanzen. Als erwachsene Falter leben sie vom Nektar bestimmter Blüten, manche auch zusätzlich vom Saft, der aus Baumwunden austritt, und dem des Fallobstes.

Wer ihre Lebensweise und Ansprüche kennt, kann den Garten zu einem Falterparadies entwickeln: durch eine naturnahe, abwechslungsreiche Gestaltung und gezielte Ansiedlung von Nektar- und Raupenfutterpflanzen sowie durch Verzicht auf den Einsatz giftiger Spritzmittel.

Eine Brennnessel-Ecke im Garten, z.B. am Rande von Gebüschen: Nahrung für Schmetterlinge.

Schmetterlingsraupen sind Feinschmecker

Manche Schmetterlinge sind sehr wählerisch. Schon die Eier werden nur an besonderen Raupenfutterpflanzen abgelegt. Die Raupen beißen mit ihren Fresszangen die Blätter an und verzehren davon bis zu ihrer Verpuppung große Mengen. Der Schwalbenschwanz benötigt Doldengewächse wie die Wilde Möhre. Seine Raupen fressen in Gärten z.B. gerne an Dill.

Segelfalterraupen findet man auf Schlehe und Weißdorn. Trauermantel und Großer Fuchs fressen Salweiden- und Pappelblätter. Distelfalter sind auf Disteln und Nesseln, Zitronenfalter auf Faulbaum und Kreuzdorn angewiesen. Gräser wie Knäuelgras, Pfeifengras, Rispengras, Schwingel und Trespe können ebenso wie Schmetterlingsblütler (Klee, Platterbse oder Wicke) von Heufalterraupen genutzt werden.

Der Kleine Fuchs, das Tagpfauenauge und der Admiral sowie drei weitere Arten ernähren sich ausschließlich von der Brennnessel. Eine kleine, möglichst besonnte Brennnessel-Ecke im Garten, z.B. am Rande von Gebüschen, ist also ein wirksamer Beitrag zum Schmetterlingsschutz im Garten!

Wussten Sie, …

… dass die Mehrzahl der Schmetterlinge in der Dämmerung und nachts aktiv ist? Die große Gruppe der Nachtfalter betätigt sich als Spezialbestäuber der langröhrigen und oft am Abend stark duftenden Nachtfalterblumen. Das Taubenschwänzchen lässt sich nachts z.B. vor der Springkrautblüte beobachten. Wie alle Schwärmer saugt es den Nektar im Fluge, wobei es wie ein Kolibri vor der Blüte „steht“.

Nektarblumen locken Falter & Co. an

Auch die meisten ausgewachsenen Schmetterlinge sind spezialisierte Nektarsauger, leben von und für Blütenpflanzen. Mit ihrem langen Rüssel erreichen sie tief in der Blüte verborgene Nektarquellen.

Viele Tagfalter bevorzugen z.B. rot blühende Arten mit langen Kelchen. Nachtfalter saugen gerne an Wiesenblumen wie Nachtlichtnelke, Nachtkerze und Weidenröschen. Manche Pflanzen haben sich daran so angepasst, dass nur bestimmte Schmetterlinge ihren Nektar erreichen können. Sie sind damit auf diese Arten als Bestäuber angewiesen.

Durch Anlage von Wildkrautbeeten und Blumenwiesen können viele Raupen und Schmetterlinge vor dem Verhungern bewahrt werden. Schon ein Blumenkasten oder eine kleine Fläche im Vorgarten genügt. Wildkräuter können im Blumenbeet neben Sommerblumen und Stauden einen Platz finden.

Auch viele Gartenstauden und Gehölze bieten Faltern Nahrung. Ein Schmetterlingsstrauch (Buddleja), in Hausnähe gepflanzt, bietet den ganzen Sommer über tolle Möglichkeiten, Falter zu beobachten!

Falter als „Schädlinge“?

Es gibt auch wenige Falter, die im Garten eher zu den ungebetenen Gästen zählen, weil ihre Raupen an Nutzpflanzen fressen. Kohlweißlinge z.B. legen ihre Eier auf Kohlpflanzen ab.

Durch Mischkultur, bei der Kohl mit Sellerie oder mit duftenden Kräutern zusammen im Beet steht, können Falter von der Eiablage abgehalten werden: Die Duftsignale der Kohlpflanzen, die die Schmetterlingsweibchen anlocken, werden dann durch stärker wirkende Düfte anderer Pflanzen überlagert, sodass es oft nicht zur Eiablage kommt.

Nektarpflanzen für Falter

Stauden im Blumen- oder Kräuterbeet: Blaukissen, Eisenkraut, Fuchsie, Fetthenne, Goldlack, Judassilberling, Herbstaster, Krokus, Kaukasus-Flockenblume, Lederbalsam, Lavendel, Phlox, Salbei, Steinkraut, Steinkresse

Stauden in der Blumenwiese: Disteln, Dost, Flockenblume, Johanniskraut, Karthäusernelke, Kuckuckslichtnelke, Nachtkerze, Natternkopf, Nachtlichtnelke, Nickendes Leimkraut, Seifenkraut, Waldgeißblatt, Wicken, Weidenröschen, Wiesensalbei

Text und Bilder: Adalbert Niemeyer-Lüllwitz (NUA/VHS-Biogarten Düsseldorf)

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